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Beim Hobby Modellbau scheiden sich die
Geister. Es gibt Zeitgenossen - überwiegend männlichen Geschlechts -
die davon so fasziniert sind, dass sie ein Leben lang nicht mehr davon
loskommen. Andere hingegen wollen nicht verstehen, was erwachsene
Menschen dazu bringt, sich in Dachkammern oder Kellerverliese zu
verkriechen, um dort das richtige Leben im Modellmaßstab nachzubilden,
also formvollendet maßstabsgetreue Flugzeugmodelle zu bauen, die am
Ende ihrer Karriere abstürzen. |
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Echte Modellbauer lassen sich ihre
Freizeitbeschäftigung mitunter auch einiges kosten, investieren große
Mengen freier Zeit, kennen populäre Fernsehserien allenfalls vom
Hörensagen, stellen Partnerinnen mit ausgedehnten “Spätschichten” auf
so manche Geduldsprobe und geraten bei der Wahrnehmung
gesellschaftliche Verpflichtungen mitunter auch schon mal in
Zielkonflikte. |
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Was also treibt einen Modellbauer an,
Zeit und Geld in Projekte zu investieren, die sie niemand geheißen hat
und die nach landläufiger Auffassung auch “nichts einbringen”? Dabei
stecken sie zwischendurch immer wieder Frustrationen im Kampf mit der
Materie einerseits, aber auch mit einer oftmals verständnislos
reagierenden Umwelt andererseits weg? |
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Ganz offensichtlich ist die
individuelle Bedürfnispyramide bei solchen Menschen etwas anders
geschichtet, als der Zeitgeist es zu diktieren scheint. Beflügelt von
dem Wunsch, sich ein Stück (heiler) Welt nach eigenen Vorstellungen zu
gestalten, verfügt der Modellbauer über ein unerschöpfliches Maß an
Motivation. Und da er die Wirklichkeit zumeist in verkleinertem
Maßstab abbildet, scheint zumindest ein Teil der damit verbundenen
Sachzwänge gleichermaßen zu schrumpfen. Wichtiger noch, der
Modellbauer ist sein eigener Chef mit allumfassender Kompetenz:
Projektleiter, Konstrukteur, Einkäufer, ausführender Handwerker,
Güteprüfer …, und daher mit einem phänomenalem Wirkungsgrad
ausgestattet. Befreit von all den unnützen Reibungsverlusten, die auf
menschliches Kompetenzgerangel zurückzuführen sind. |
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Angetrieben von zutiefst menschlichem
Forscherdrang, der oftmals von ausgeprägter Detailverliebtheit und
ursprünglicher Technikbegeisterung begleitet ist, wird er zum
Breitbandkünstler, der sich etwa beim Bau eines Flugzeugmodells nicht
nur für die Gesetze der Aerodynamik interessiert, sondern auch
Werkstoffkunde betreibt und seine Fähigkeiten für
Oberflächengestaltung weiter entwickelt, sich mit Motoren- und
Antriebstechnik befasst, in die Geheimnisse der Fernsteuerelektronik
eindringt und seine Pilotenkunst zuvor auf einem PC-Simulator
perfektioniert. |
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Nicht zuletzt (er)schafft der
Modellbauer Dinge, die nahezu ausschließlich eigenen Vorstellungen
entsprechen und die für Geld nicht gekauft werden können. Da er selbst
es ist, der dafür die Bewertungsmaßstäbe festlegt, gewinnt er damit
ein hohes Maß an innerer Souveränität und Zufriedenheit und - im
Schillerschen Sinne - auch ein kleines Stück der Freiheit “… sich
selbst zu leben nach eigenem Gesetz”! |
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